Das kann doch nicht Wahl sein! Teil 2
September 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenIst klar: Da willste einfach nur den Mörtelmischer oder ein paar Säcke Zement von einer Maurerbrigade zur anderen bringen - und was passiert? Renate Künast wirft dir ne Bierflasche an den Kopf. Bierflasche - Baustelle, Baustelle - Bierflasche, ist jetzt nicht das überraschendste Paradoxon, zugegeben. Aber ausgerechnet von Frau Grünen-Spitzenkandidatin? Ja, wo sind wir denn? Achja richtig, im Wahlkampf. Und: in unserer, diesen Wahlkampf reflektierenden Channel-Reihe “Das kann doch nicht Wahl sein!”
Nach dem Videodebakel der drolligen Jungen Unionisten folgt in Teil 2 also die Top-Five aus dem Politikbetrieb, vereint in dem mehr oder wenig spannenden Spiel: Werden Sie Bundeskanzler(in)! Also eher weniger als mehr. Die Künast ist dabei, der Gysi und Bosbach, der Lauterbach und die Leutheuser-Schnarrenberger. Und jeder wurde irgendwohin verfrachtet, um zu beweisen, dass er es drauf hat und zum großen Finale nach Berlin darf. Dafür muss sich beispielsweise die Künast auf dem Bauernhof und der Gysi auf der Baustelle beweisen - im Spiel heißt das eben: vorwärts und rückwärts fahren, hopsen und Punkte sammeln. Spannend. Achja: und den in Form der Widersacher überall lauernden Gefahrenquellen aus dem Weg gehen, eben etwa fliegende Bierflaschen und so.

Da hat sich der SWR ja was einfallen lassen. Geht nicht noch schlimmer? Doch, denn das Spiel ist nur die Spitze des Eisbergs. Hintergrund dieses komischen Playoffs ist die SWR-Sendereihe “Abgeordnet!”. Da sind die echten Politiker auf echten Baustellen und Krankenhäusern - und der Fernsehgucker kann sich ein Bild davon machen, ob Gysi die Maurerkelle und Lauterbach die Kanüle schwingen kann. Weil das schließlich entscheidend für eine Pole Position im Politikbetrieb ist. So weit, so albern - sowohl die Serie als auch das Spiel. Dann doch lieber zur nächsten Wahlkampfveranstaltung auf den Marktplatz: Da gehts weitaus witziger zu.


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