“Der Rasen muss brennen!”
November 2009 | Meinung von Katja Kretschmar | Neue Artikel per Mail erhalten
Was einst Ottmar Hitzfeld forderte, scheint Adidas mit seinem neuen Advergame „Teamgeist“ nicht ganz gelungen zu sein. Dieses soll wohl eine Mit-dem-Hintertürchen-Heraufbeschwörung des oft besungenen Geistes der Nationalmannschaft von 2006 sein. Und ganz nebenbei hat man versucht, seinen kommunikativen Anspruch auf die WM 2010 geltend zu machen. Ganz nach dem Motto: Wir sind am Ball!
Erwartungsfreudig findet sich seit letzter Woche bestimmt auch jeder Halbwegs-Fußball-Fan auf der Website ein und möchte mindestens einmal mitspielen. „Dabei sein ist (nämlich) alles“. Mein Herz hüpft. Immerhin wird einem versprochen, dass man beim Spielen sogar eine Reise zur WM 2010 nach Südafrika gewinnen kann. In Zeiten, in denen man mindestens seine Oma und Nachbars Hund verkaufen muss, um an eines der begehrten Tickets zu kommen, ist das sicherlich für fast jeden Mindestens-National-Elf-Spiele-Gucker ein interessanter Anreiz. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Ball ist rund, jedes Spiel dauert 90 Minuten und mein Spiel lädt und lädt und lädt. Man freut sich schon richtig auf’s Losspielen, aber es passiert … nichts.

Gut, beim ersten Mal ausprobieren kann das ja mal passieren. So probierte ich es an fünf weiteren Computern aus. Und es hat trotz zahlloser Versuche genau einmal funktioniert. Fast wie ein Verdurstender auf eine Oase in der Wüste wartend, freute ich mich als es plötzlich klappte. Es erschien ein virtuelles Kicker-Feld und in einigen schönen Zwischenfilmchen in gänsehäutiger Herr-der-Ringe-Manier wurde erklärt, dass man in drei Runden die WM-Finals von ´54, ´74 und ´90 nachspielen kann. Im ersten Endspiel von 1954 gegen Ungarn sehen unsere Lieblings-Kicker aus der National-Elf noch aus wie verpuppte Schmetterlinge. Mit jedem Sieg gewinnen sie ihr schickes Aussehen, natürlich samt neuestem Trikot, zurück. Aber sie sind viel kleiner als ihre Gegner, die seltsamerweise wie fiese Monster aussehen. Irgendwie merkwürdig, spiegelt sich da etwa mangelndes Vertrauen in das deutsche Top-Team wider oder stand da jemand beim Programmieren unter dem Einfluss halluzinogener Substanzen?
Aber vielleicht probieren Sie es einfach mal selbst aus und haben mehr Glück. Auf jeden Fall hab ich schon mal von einem weit entfernten Verwandten gehört, dass der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, bei dem das Spiel wohl so richtig funktioniert hat. Aber eigentlich ist das nicht so wichtig, denn an die goldenen Kicker-Tickets kommt man mit diesem Spiel ganz bestimmt nicht. Bier, Chips und Couch oder Public Viewing und viele schwarz-rot-goldene Fähnchen werden deshalb auch zur WM 2010 wieder einmal ihr Bestes geben müssen.
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